Der Einklang mit der Natur

NEUN WELTEN (Naturmystik/Nordic Folk)
(Anja Hoevelmann (Flutes, Clarinet), Aline Deinert (Violin), Meinolf Mueller (Acoustic Guitar, Jews Harp), David Zaubitzer (Cello, Acoustic Guitar), Marten Winter (Drums, Percussion)

Mit "Vergessene Pfade" erscheint dieser Tage das erste komplette Album (2004 gab es eine MCD "Valg") der 2001 aus Teilen einer Black Metal Combo entstandenen Band aus Halle. Ihre melancholischen Melodien könnte man als naturmystischen Folk beschreiben. Der Fünfer geht dabei sehr gefühlvoll zu Werke, die Klänge sind unaufgeregte Meilensteine voller akustischer Finessen. Nicht ganz typisch ist dabei das Schlagzeug, welches der Band eine ganz eigene Note verleiht und zudem für reichlich Rhythmik und druckvolle Variationen ihrer lieblich gestalteten Musik sorgt. Gerade, wenn man wie bei Neun Welten fast ausschließlich auf Instrumente setzt, kann das schnell mal langweilig werden, das ist aber bei keinem der Stücke auf dem Album der Fall. Ganz im Gegenteil, die instrumentalen Stücke erzeugen vor'm imaginären Auge derartigen Variantenreichtum und Bildersegen, dass man letztendlich fast ohnmächtig den samtenen Folkklängen lauscht. www.myspace.com/neunwelten / www.neunwelten.com (andreas)


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Review "Vergessene Pfade" lesen



Die Gründungsgeschichte führt uns zurück zu einem Lagerfeuer-Abend im Thüringischen Wald. Könnt ihr ein wenig über diesen Abend plaudern?
Wir waren damals 5 Leute einer Black-Metal Band namens "Insomnia Astrorum" und hatten die Idee, für ein Wochenende irgendwo in den Wald zu fahren, um dort Impressionen, Zusammenhalt und "Spirit" zu finden. Solche Ausflüge haben wir auch vorher schon gemacht und machen sie immer noch gern, wobei sich solche kurzen Touren nur in unseren Mittelgebirgen bzw. Wäldern in unserer Nähe lohnen. So sind wir damals von Tambach-Dietharz aus losgelaufen, haben einen schönen lichten Platz nahe einer Schonung gefunden, sind umhergewandert, haben Pilze gefunden, uns von der Umgebung berauschen lassen und am Abend ein Lagerfeuer gemacht. Da wir eine Gitarre, Maultrommeln und eine kleine Djembe dabei hatten, sogen wir die Natur und die Eindrücke des Tages in uns auf und versuchten diese nun irgendwie musikalisch wieder zu geben. Was dabei herauskam, beeindruckte zumindest erst mal drei von uns so sehr, dass wir die Idee hatten, ein wirkliches musikalisches Projekt anzufangen, wobei an diesem Abend schon erste Melodien und Liedideen für das Stück "Tamtrollbach" entstanden sind.



Drei der Bandmitglieder entstammen der Black Metal Band "Insomnia Astrorum". Angesichts der ruhigen Auslegung der Musik, fehlen euch Black-Metal'ene Ausbrüche?
Diese Ausbrüche kommen wahrscheinlich erst live zum Vorschein, wenn ein fetter Schlagzeugsound herrscht und wir bangend mitgehen. Jedoch ist unsere Musik in erster Linie als Folk zu verstehen, wobei der Black-Metal-Einfluss sich eher in melancholisch, atmosphärischen Melodien äußert. Wir versuchen also mehr die Stimmung bzw. den Spirit des Black-Metal, als die Stilmittel wie "Geknüppel" und "Gekreische" zu verarbeiten.



Im Black Metal existiert oft die nordische Mythologie, in Seitenprojekten haben Mitglieder dieser Bands immer wieder sehr folkloristische Werke aufgenommen. Ist der Sprung im Endeffekt gar nicht so groß?
Für uns ist Black-Metal eine Art Naturgefühl. Wenn wir draußen im Wald am Lagerfeuer sitzen oder durch einen düsteren Wald laufen, haben wir Black-Metal-Songs im Ohr, die für uns genau die Stimmung wiedergeben, wie wir sie in diesen Momenten fühlen. Ich denke, dass es auch vielen anderen Black-Metal Fans und Musikern so geht. Von daher drückt sich in manch einem Seitenprojekt diese Stimmung nur in einem anderen musikalischem Gewand aus.



Euer Debüt Album ist in drei "Akte" unterteilt. Worin unterscheiden sich Nebelung, Nordwind und Sonnwend?
Wir haben auf diesem Album unsere Lieder in 3 unterschiedliche Stimmungen unterteilt, woraus sich die 3 genannten Kapitel ergeben. Die Kapitel spiegeln dabei nicht nur verschiedene Gefühlszustände, sondern auch den Lauf der Gezeiten und den damit verbundenen ewigen Zyklus der Natur wieder. So sind einige Lieder in der oder für die Zeit der Sonnenwende geschrieben und vermitteln so eine lebensfrohe, teils heitere Stimmung. Für "Nebelung" (Herbst) haben wir eher mystische und treibende und für "Nordwind" melancholische Lieder komponiert. Wir vermitteln dem Hörer unsere Eindrücke und Erfahrungen in oder mit den verschiedenen Zeiten und lassen ihn teilhaben an mystischen Orten, traumhaften Begebenheiten und der Natürlichkeit des Seins...



Welche "vergessenen Pfade" beschreitet ihr mit dem aktuellen Debütwerk?
Es handelt sich um Pfade, die seit unbestimmter Zeit nicht mehr beschritten wurden, die längst in Vergessenheit geraten sind. Es geht dabei nicht nur um bloße Pfade, wie man sie in der Natur findet, sie stehen vor allem für den Bezug des Menschen zur Natur. In unserer schnelllebigen und schnellentwickelnden Welt, in der Naturgefühle nur flüchtig zum körperlichen und geistigen Ausgleich gesucht werden, fehlt oft ein wahrer und ursprünglicher Bezug. Das sind die vergessenen Pfade, auf denen die Menschen einst wandelten und im Einklang mit der Natur lebten.



"Neun Welten" ist ja nicht irgendein Bandname. Könnt ihr unseren Lesern erklären, warum ihr euch so genannt habt und stellt euer Titelbild auf der Homepage den Baum Yggdrasil dar?
Wir interessieren uns sehr für die nordische Mythologie und die Geschichte der Germanen, die ja eventuell unsere Vorfahren sind. Dabei sind neben der Natur auch die alten Geschichten und Sagen für uns Inspirationsquelle. In diesen Sagen finden wir ein Bild der Menschen, wie sie früher gelebt haben, und wie sie ihre Umgebung wahr nahmen. Die Götter und Riesen sind ja letztendlich eine Personifizierung von Naturereignissen. Und so war es eine Welt, in der es Magie, Wunder und verschiedenste metaphysische Gestalten gab, eine Welt, in die wir uns auch gerne versetzen lassen. (Wir sind übrigens große Tolkien-Fans) Daher rührt der Name Neun Welten, ein Name, der die Kosmologie der Germanen wiederspiegelt und somit für die gesamte nordische Mythologie steht. Der Baum Yggdrasil hält alle Neun Welten in einer bestimmten Anordnung fest, weshalb uns die Idee kam, auf unserer Homepage die verschiedenen Unterseiten in die Neun Welten zu unterteilen und eben an diesem Baum anzuordnen.



Warum gibt es gerade in "Svartalfheim" einen Text. Was hat es mit dem Wohnsitz der Dunkelalben auf sich?
Der Text von "Svartalfheim" ist teilweise aus der Edda übernommen und handelt in erster Linie von der Entstehung des Universums bzw. der Welten. Er geht dann aber verstärkt auf die Dunkelalben oder auch Zwerge ein und beleuchtet ihre Entstehung und ihre Rolle in der nordischen Mythologie.



Ein anderer Ort, den ihr beschreibt, ist "Jötunheim" (das Land der Riesen). Dieses Land ist nicht gerade ein heimeliger Ort. Spiegelt sich in der leicht lieblichen Orientierung eine Liebe für karge Ästhetik wieder?
Vor ein paar Jahren waren wir in Norwegen unterwegs und sind auch in dem alpinen Gebirge Jötunheim ein paar Tage wandern gewesen. Wir waren beeindruckt von den riesigen, schroffen Felsen, den windgepeitschten Tälern, den eisigen Gletschern und der Menschenleere. Wir konnten uns gut vorstellen, dass die Menschen sich gerade im Winter den Wohnsitz der Frostriesen in diesem Gebirge vorstellten oder gar die Berge die Riesen darstellen. Wir waren allerdings Ende August dort und somit herrschte auch hier noch eine etwas sommerliche Atmosphäre, die wir in das Lied mit einbrachten. Man findet deshalb das Lied im Kapitel "Sonnwend" wieder.







"Heidennacht" wurde live aufgenommen. Rührt das Knistern eher vom Lagerfeuer oder vom heimischen Kamin?
Für das Album wollten wir noch ein authentisches Lied aufnehmen, das heißt ein Lied, was unverstärkt in der Natur aufgenommen wird und durch ein Lagerfeuer eben die Atmosphäre wiederspiegelt, wie wir sie oft finden, wenn wir in der Natur unterwegs sind. So haben wir uns im Wald getroffen, ein Lagerfeuer gemacht und das Ganze dann mit einem portabeln Dat-Rekorder mitgeschnitten. Außerdem hat ein Freund von uns gefilmt. Das Video werden wir bald auf unsere Homepage stellen.



Wie darf man sich eine Bandprobe bei einer derart romantischen Musik vorstellen? Ein dunkler Bandkeller in einem ehemaligen Bunker ist wohl nicht die Atmosphäre, um derartige Songs zu proben, oder doch?
Wir haben einen schönen Proberaum in einem alten Haus, das größtenteils von Wald umgeben ist. Da setzen wir uns manchmal auch raus und lassen die Umgebung auf uns wirken, eben ganz klassisch. Wir haben aber früher auch schon in einem dunklen (feuchten) Keller geprobt, was sich jedoch nicht sonderlich auf unser Musikgefühl ausschlug. Wir tragen die Stimmungen und das Gefühl für die Lieder in uns und wenn wir dann zusammen proben, entfalten sie sich an jedem Ort gleichermaßen. Ein idyllischer Ort ist aber für unser eigenes Wohlbefinden vorzuziehen.



Wo holt ihr euch die Ideen für eure Songs?
Wie schon erwähnt, spiegeln wir in unseren Liedern unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit der Natur wieder. Manchmal geschieht es aber auch umgekehrt, dass nämlich jemand mit einer Idee kommt und man beim gemeinschaftlichen Komponieren erst merkt, was für ein Gefühl vermittelt wird. Auch hat die nordische Mythologie großen Einfluss auf unsere Lieder, indem wir die alten Geschichten und Sagen musikalisch verarbeiten wollen.



Der Vertrag mit Prophecy beherbergt auch einen weltweiten Vertrieb, wie sind die Reaktionen aus dem Ausland?
Die Mini-CD "Valg" ist weltweit verkauft worden und wurde auch über Europa hinaus in Magazinen und Internetseiten rezensiert. Viele konnten wir dabei nicht übersetzen, weshalb ich mir jetzt keine Wertung erlaube :-). Über den Vertrieb von "vergessene Pfade" können wir noch nichts sagen, da sie ja vor kurzem erst veröffentlicht wurde. Wir haben allerdings schon einige (gute) Rezensionen aus dem (europäischen) Ausland und auch einige AMBOSS interviews beantwortet.



Wie würdet ihr einem MTViva Moderator eure Musik beschreiben?
So wie wir sie jedem anderen auch beschreiben: mystischer Naturfolk, der sich an der nordischen Mythologie orientiert und den Hörer zum Träumen und Entspannen anregt. Nix da mit Klingelton-Terror!!!

...auf ewig Wald...

Meinolf + Neun Welten



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