ASP + NUUK
Bielefeld, Triebwerk 27.04.2005

Typisch OWL: Es hätten ein paar Besucher mehr sein können
Untypisch OWL: Das Publikum war gedopt


Man kann ja immer herrlich darüber streiten, ob eine Vorgruppe stimmig erscheint. Die Schweizer NUUK machen allerdings eine komplett andere Musik als der heutige Top Act. Umso überraschender war die Stimmung im Triebwerk. Der nostalgisch angehauchte Sound, eine Mischung aus Cure (ca. '81-'83 und '89) und U2 (ca. '86-'88) wurde begeistert aufgenommen und es gab mehr als den sonst üblichen braven Applaus zwischen den Stücken. Und selbst die von Sänger "The Snake" eingeforderten Hände wurden nicht verwehrt und tanzten zu den hymnischen Melodielinien im Takt. Während man musikalisch die dunkle Harmonie der 80er auferstehen ließ, schwächelte der Gesang. Gerade in den Refrains, die sehr eingängig interpretiert wurden, hätten die Vocals ein wenig druckvoller rüberkommen können. Da man eigentlich genug eigene Stücke besitzt (drei veröffentlichte CD's) hätte man auf das Cure Cover "Fascination street" gut verzichten können. Obwohl ich zugeben muss, dass die etwas dramatisch umgesetzte Version gelungen war (Stimmbandvergleiche erspare ich mir, wie schmeckt eigentlich Kreide?), aber selbst bei Cure Konzerten nutze ich diesen Song zum Bier holen. Neben Songs des aktuellen Werkes gab es auch genug alte Songs, wie das bedrückende "vast" mit leicht trauernden Vocals, das mit phantastischen Intro eingeleitete "Gothtrance" oder das als Zugabe dargebotene "Close". Zum Abschluß eine kurz Bemerkung zum Gesang, auch wenn es beim Lesen so erscheinen sollte, er ist nicht schlecht und evtl. macht dieses auf dem ersten Ohr nicht passende Double Musik-Gesang die Einzigartigkeit der Schweizer aus. Auf der anderen Seite besuchte ich dieses Konzert mitten während der Pink turns blue Tour und da sind die Auffanggeräte an beiden Seiten des Kopfes etwas anders eingestellt. Publikum war begeistert, die Band zufrieden, alles andere ist rein subjektive Makulatur.

Tracklist:
Flood
Harmless Death
Gothtrance
Vast
Flash
Fascination street (Cure Cover)
Velvet
Bloodhound
Close





Oben beschriebene Auffanggeräte wurden dann auf Gothic Rock modern eingestellt. ASP gehören (evt. zusammen mit Unheilig) zu den Vertretern, denen es gelingt, mit ihrer Musik die Phalance der Elektronik in den einschlägigen Düsterschuppen zu durchbrechen.
Bereits der Auftritt des Meisters gleicht einem grandiosen Showact aus der Schauspielerei. Der traurige Harlekin, der spitzbübische Nosferatu, die Höflichkeit schwarz gewandet. Den Einstieg fand die Band mit "Intro/Welcome" vom aktuellen "Weltunter" Album. Und was ging denn hier ab? Tanzende Schwarze, Jubelstürme begleiteten diesen ersten Track. Alexander war begeistert und ließ seine sonoren Tieftöner vibrieren. Gesanglich wurde er dabei perfekt unterstützt vom weichen Harmonie-Gesang Holger's, der es auch sinnbildlich an die Front der Bühne geschafft hat. Es war die Unterschiedlichkeit dieser Stimmen, welche ein wohligen Spannungsbogen bis hin zur Gänsehaut erzeugten. Neben Stücken aus dem reichhaltigen Repertoire der Band, gab es auch erste Hörgenüsse des neuen, im Juli veröffentlichten Albums "Aus der Tiefe". Diese Songs wurden von Alexander immer besonders angekündigt, zum einen wies er daraufhin, dass die Reaktion des Publikums darauf Einfluß hätte, ob der Song auch beim anderntags stattfindenden Konzert erneut gespielt wird (der Song "Tiefenrausch" war schon mal klasse). Die erste Zugabe "schwarzes Blut" hatte dagegen eine ganz andere Geschichte parat. Es ging um die Wichtigkeit von Songs und er verglich "schwarzes Blut" mit "Ich will brennen" (kurzzeitig glaubte das Auditorium letzterer Song würde gespielt und brach gleich in Jubel aus). Neben druckvollen Kompositionen nahm man sich natürlich auch die Zeit, die balladeske Seite von ASP regieren zu lassen. Kakophonie oder das Märchen des "hässlichen Entleins", es sind romantisch angehauchte Fantasy Storys, perfekt umgesetzt, teils bedrückend intoniert, welche die Faszination der Band ausmachen. Alexander ist Geschichtenerzähler, Verfechter der schwarzen Szene und Ästhet zugleich. Und trotz leichter Stimmbandproblematiken gab er alles, genoß seinen Tee, während er nach dem ersten Schluck kindlich die Miene verzog. Mit Song wie "Sing Child", "und wir tanzten" oder das, den zweiten Zugabenblock eröffnende "ich will brennen" ließen nicht nur die ersten Reihen in Bewegung versetzen. Kommen wir nun zur ausgesprochenen Höflichkeit des schwarzen Mannes. Er bedankt sich nicht einfach beim Publikum, sondern fügt es in die Vorstellung der Bandmitglieder mit ein. Dazu kommt wie immer ein Extra-Dankeschön an das Team des Veranstalters/des Ladens. In Zeiten, da die schwarze Szene zu einem grauen, dem Mainstream unkritisch gegenüberstehenden Sumpf verblasst, werfen Bands wie ASP einen Rettungsanker. Auf der einen Seite steht die Show, auf der anderen Seite ein nachdenklicher Mensch, der sich auch mal auf Pfade begibt, welche sowohl die Musikindustrie, wie einige Musikerkollegen vor den Kopf stößt (Aktion: "ich will brennen"). Alexander Spreng weiß das höchste Gut eines Musikers zu würdigen, die Fans. Und wie dankbar diese sind, bewies die Stimmung im kaum halb gefüllten Triebwerk.

Tracklist
Intro
Welcome
Weltunter
Lykantrophie
Tiefenrausch
Kokon
Me
Die kleine Ballade...
Hunger
Sing Child
Maybe
She wore shadows
Und wir tanzten

1.Zugabe:
Schwarzes Blut
Schwarzer Schmetterling

2.Zugabe:
Ich will brennen
Die Ruhe vor dem Sturm



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