Der Elf tanzt, wenn die Elfe singt

Lyriel (Dark Romantic Celtic Folk)

Die Band "Lyriel" aus Gummersbach hat sich im Herbst 2003 zusammengefunden. Drei der sieben Musiker stammen aus der Metal-Band "Sorrowsend", die bereits seit 1994 besteht, jedoch auf Eis gelegt wurde, um die ganze Konzentration auf Lyriel zu richten. Das Repertoire von Lyriel umfasst besonders gefühlvolle, verträumte Balladen im mittelalterlichen Stil, bis hin zu harten Rockstücken mit Klassik- und Folkelementen. Lyriel hebt sich gegenüber anderen Bands nicht zuletzt dadurch ab, dass Violine und Cello nicht aus dem Keyboard kommen, sondern live auf der Bühne gespielt werden.

Soweit die ersten beiden Abschnitte aus dem Presse Info. Ein ganz wichtiges und markantes Merkmal wird hier nicht explizit erwähnt, es ist die wunderschöne Stimme von Sängerin Jessica. Sie verleiht den ganzen harmonischen, teils tief melancholischen Stücken erst das Gefühl, was diese Band ausmacht. Kristallklarer unaufgesetzter Gesang, der perfekt Gefühle transportieren kann und zudem zu den seltenen Vertretern gehört, die neben weicher Sentimentalität auch mal die Rock Röhre nach außen kehren. Wer Vergleiche braucht findet sie im Review, allerdings hat sie diese Band nicht nötig. Lyrisch, gesanglich und songwriterisch auf höchsten Niveau und dazu klingt das Gesamtergebnis auch noch unheimlich frisch. www.lyriel.net (andreas)


-> Review "Prisonworld" lesen


Kannst du uns als erstes ein bisschen zur Entstehungsgeschichte von Lyriel erzählen?
Jessi: Lyriel sollte erst mein Soloprojekt werden. Nachher kamen Olli und ich auf die Idee, eine Band daraus zu machen. Schließlich wollten wir auch live auftreten und da muss die Musik ja irgendwo herkommen. Da boten sich die 3 Jungs von Sorrowsend grade zu an. Später kamen dann noch Keyboard, Geige und Cello dazu.


3 von euch spielten spielten zuvor in der Fantasy Metal Band "Sorrowsend". Wo siehst du die Hauptunterschiede zum aktuellen Projekt?
Jessi: Lyriel ist nicht so hart wie Sorrowsend, schon alleine vom Gesang her.


Unabdingbar scheinen bei einer neuen Band die Vergleiche. Am häufigsten fällt der Name "Blackmore's Night". Wie stehst du insgesamt zu derartigen Vergleichen und wie siehst du dieses im Kontext mit Lyriel?
Jessi: Wenn mir die Band selber gefällt, habe ich natürlich nichts gegen solche Vergleiche und bis jetzt war es immer so. Den ständigen Vergleich mit Blackmore´s Night find ich schon lustig, da wir erst jetzt angefangen haben, die Musik zu hören. Also man kann uns auf keinen Fall vorwerfen, dass wir sie nur kopieren wollen.


Ebenso unabdingbar ist die Frage nach dem Namen. Gibt es eine Verbindung mit dem Elf Lyriel. Im Internet sind Infos über diesen Elf unter www.lyriel.de erreichbar, gibt es schon Kontakte bezüglich einer Zusammenarbeit?
Jessi: Den Namen habe ich mir ausgesucht. Ich habe einfach nach einem schönen irischen/schottischen Namen Ausschau gehalten und Lyriel passt auch so gut zu Lyrik. Mit dem Elfen von Lyriel.de hatten wir noch keinen Kontakt, allerdings mit einer Dame aus dem Internet, die auch eine Lyriel Seite hat. Aber nichts Konkretes, einfach nur so.


Markantes Merkmal eurer Musik ist der weibliche Gesang. Meiner subjektiven Meinung nach, stellt er die momentanen Hitstürmer dieser Musikrichtung in den Schatten. Es ist faszinierend, wie die Stimme mit ihrer Natürlichkeit glänzt und trotzdem bei jedem Stück Gänsehaut erzeugen kann. Wie wichtig ist diese Stimme für eure Musik?
Jessi: Oh, Dankeschön, ich bin geschmeichelt (lach). Ich glaube diese Frage sollte Olli weiter beantworten...
Olli: Ihre Stimme ist der Grund, warum wir Lyriel überhaupt erst ins Leben gerufen haben.
Erst war der Gedanke da, ein Projekt nur für Jessi auf die Beine zu stellen. So sollte endlich mal ihre Stimme zum Zuge kommen. Alles andere drum herum mit allen Musikern hat dann wie von selbst ein Ganzes ergeben.



Songwriterisch arbeitet ihr mit unheimlich viel Atmosphäre. Songaufbau und Melodie scheinen bis aufs kleinste Break durchdacht. Perfekte Übergänge zwischen Strophe und Refrain vervollkommnen die Stücke. Gibt es hier evtl. Inspirationen, welche aus dem Soundtrack-Bereich kommen?
Olli: Nein, eigentlich gar nicht. Vielleicht entsteht der Eindruck, weil wir wie Soundtracks viel Wert auf emotionsuntermalte Musik legen. Im Film soll ja die Musik auch die Szenen emotional unterstreichen. Diese Grundlage setzen wir uns auch bei Lyriel. Rocken alleine reicht uns nicht, wir legen unheimlich viel Wert auf Atmosphäre. Das gehört einfach mit in unsere Musik und es ist das was Lyriel ausmacht.


Nach einem orchestralen Intro folgt der Titelsong. Dieses Stück scheint fast als zentrale Message das Album zu durchziehen. Wenn man Bezug auf das Cover Foto nimmt, könnte man denken, ihr habt die "Welt der Gefangenen" befreit (bzw. beerdigt).
Jessi: Wir wollen mit Prisonworld zum Nachdenken anregen. Die Message ist, dass sich viele Menschen ihre eigene Gefangenenwelt bauen. Es gibt so viele Wege um seine Ziele zu erreichen, doch manchmal gibt man sich mit dem zufrieden, was am leichtesten und am bequemsten ist.


Das Lied "The symmetry of disfiguration" ist ein Kurzteil der Geschichte von Richard Pinis "Elfenwelt". Ursprünglich als Teil eines Konzeptalbums von "Sorrowsend" gedacht. Warum kam es nie zu diesem Konzeptalbum und wie passt das Stück ins Gefüge von "Prisonworld"?
Olli: Doch, das Konzeptalbum gab es, auch wenn dieser Song dann doch keinen Platz auf dem Konzeptalbum gefunden hat. Aber Beispielsweise war der Titel "Fate of knowledge" mit einer etwas anderen Version bereits auf dem Album vertreten.
Da "Prisonworld" kein Konzeptalbum ist, passt "The symmetry of disfiguration" genauso wie jeder andere Song ins Gefüge, denn auch dieser Song kann, auch wenn Teil eines Konzeptes, durchaus für sich selber stehen.


In den Bereich der Fabel führt uns "The singing nightingale", ein Song um Schwarzseher, dargestellt durch Eule und Nachtigall. Ist es eigentlich einfacher oder schwerer Missstände aufzudecken, wenn man den Mensch durch Tiere ersetzt?
Olli: Es ist einfach eine verspielte Art, in Beispielen und Geschichten die typischen Fehler und Schwächen der Menschen zu verarbeiten, die von Tieren dargestellt wird. Ich liebe Fabeln wegen ihrer offensichtlichen indirekten Art. Es ist einfach eine küntlerische Art im Gegensatz zur direkten.


Etwas besonderes gelingt euch mit "Lind e-huil". Der Text ist in Tolkiens Elbensprache verfasst. Wie entstand die Idee und wie schwierig war die Umsetzung?
Jessi: Die Sindarin-Sprache und überhaupt "Der Herr der Ringe" ist sehr faszinierend. Lind e-huil war schon ein vorhandenes Gedicht. Olli hat es mir auf Lautsprache aufgeschrieben, damit ich den Text lernen konnte. Anfangs hab ich mich davor gescheut, aber dann war ich immer ganz stolz, wenn ich wieder eine Strophe auswendig konnte.


"Fate of Konwledge" handelt vom Kampf zwischen Herz und Verstand. Was würdest du bevorzugen?

Jessi: Ich würde schon dem Ruf des Herzens folgen, allerdings gibt es schon Situationen bei denen man eher auf seinen Verstand hören sollte.


Du schreibst alle Texte, dient dir das auch als ein Entfliehen aus der realen Welt?
Olli: Ein wenig vielleicht, aber eher dann noch das Komponieren.
Wobei ich beides nicht als Entfliehen bezeichnen würde.
Zumindest nicht als Entfliehen aus der Realen Welt, eher als Entfliehen aus dem Alltag.


Wenn man eure Bilder und Bekleidung betrachtet, scheint die Musik nicht als einziges Merkmal des Fantasy zu existieren?
Jessi: Jeder von uns interessiert sich für Fantasy, der eine mehr, der andere weniger. Ich denke man kann unsere Musik am besten mit Fantasy in Verbindung bringen, da die Texte sehr lyrisch sind.



Du bist mit Sängerin Jessica verheiratet, bist selbst quasi Kopf der Band. Kommt es da nicht manchmal zu Eifersüchteleien?
Olli: Nein, überhaupt nicht. Wir sind alle gleichwertige Mitglieder und gehen auch respektvoll miteinander um. Zum Grossteil kennen wir uns auch schon ziemlich lange. Wir ergänzen uns alle sehr gut und stehen uns nicht selber im Weg.


Als Bonus Tracks gibt es noch zwei wunderschöne Akustikversionen. Wenn man ansonsten dem Bombast nicht abgeneigt ist, welche Gefühle erzeugen diese puristischen Musikformen?
Olli: Ich denke das grad Akustikversionen direkt und ehrlich klingen, es hat schon was besonderes und sehr eigenes. Eigentlich hätten wir auch genauso das gleiche Album in Akustikversionen veröffentlichen können, denn alle Stücke können wir in der gleichen akustischen Art wie die Bonustracks spielen. Aber ohne Rock fehlt uns persönlich was, darum haben wir die Stücke mit Rock zu unserem Hauptthema gemacht.


Wie würdet ihr einem MTVIVA Moderator eure Musik beschreiben?
Olli: Mit unserer Standartbeschreibung liegen wir eigentlich nie verkehrt. Wir haben unseren Musikstil "Dark-Romantic-Celtic-Rock" getauft. Man könnte noch das Wort "Mystik" mit einbinden. Das sind die Wörter die den Stil schon sehr gut umschreiben.


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