FEUERTANZ FESTIVAL 2009 :: Heiß und sonnig
Burg Abenberg in Abenberg am 20.06.2009
u.a. Schandmaul, Unheilig, Corvus Corax, Letzte Instanz, Schelmish, Coppelius
(Fotos by Stefan Thiel - www.stefan-thiel.info)

Es gibt einen Tag im Jahr, von dem ich schon Monate im Voraus weiß, wie das Wetter wird. So war auch 2009 bei der Veranstaltungstag des Feuertanz Festivals auf der Burg Abenberg wie antizipiert - heiß und sonnig.




Ungeplagt von Staus auf der A6 erreichten wir das lauschige Abenberg im Frankenland und können auch gleich mit den Openern, der Berliner Band COPPELIUS, den Festivaltag starten. Als ich in den Fotograben klettere, freue ich mich auch sofort über die erste Änderung. Wo vergangenes Jahr ein Kamerawagen immer direkt vor der Bühne hin und hergezogen wurde und Weitwinkelaufnahmen so manch akrobatische Einlagen und Augen auf dem Hinterkopf erforderten, herrscht gähnende Leere. Anstelle der Kamerakinder verdunkelt nur ein Berg von Security die Sonne, nachdem sich Selbiger aber als sehr umgänglich erweist, sehen die Aussichten für Fotos wieder mehr als gut aus.




Die danach antretenden SCHELMISH hatten an diesem Tag offensichtlich alle in eine Zitrone gebissen und ließen ihren gewohnten Esprit vermissen. Der traditionelle Strip von Luzie das L war offensichtlich nicht drin und auch das traditionelle "Ring of fire"-Outro blieb auf der Strecke. Nichtsdestotrotz konnte man schon die ersten Moshpits und Crowdsurfer sichten - so schlecht konnten die, laut eigenem Bekunden, "fettesten und asozialsten" Mittelalterspielleute also nicht beim Publikum angekommen sein.




Bei der nachfolgenden LETZTEN INSTANZ war wieder springen angesagt. Sowohl auf der Bühne als auch in der Menge sorgten Gassenhauer wie "Das Stimmlein" und "Rapunzel" für stark verringerten Bodenkontakt. Trotz aller Spielfreude ließ es sich die Truppe um Sänger Holly nicht nehmen ihrem Lichtmann Andre ein Geburtstagsständchen, ein Cover von Billy Idols "Rebel yell", darzubringen.




CORVUS CORAX sorgten nach der Letzten Instanz für einen musikalischen Bruch. Das elektronische Alter Ego der Kombo in Form von Tanzwut hätte bei dem Lineup sicherlich besser gezündet. Auch ich verziehe mich nach den ersten drei Songs zügig aus dem Fotograben, zu oft habe ich Corvus Corax in letzter Zeit gesehen und irgendwie haben heute die Quietschgeräusche der traditionellen Instrumente die gleiche Wirkung auf mich wie Alufolie auf meinen Plomben.




Dafür entschädigen UNHEILIG mehr als gut. Vom Graf gibt es auf der Bühne eigentlich nur zwei Aggregatzustände, schmachtend und unbeweglich am Mikrofonständer oder voll aufgedreht und hyperaktiv auf der gesamten Bühne. Abenberg bekam die letzte Variante spendiert und ich fluche still vor mich hin, während ich mich durch die Menüs des nagelneuen Kamerabodies hangele. Wo ist den schon wieder der kontinuierlich Autofokus und wo kann ich in die 51 AF-Messfelder aktivieren? Argh, zwei Stunden Autofahrt haben nicht ganz für das Studium der 421 Seiten der Anleitung gereicht, obwohl meine Begleiterin ganz angetan von der Stille war.

Ich lasse letztendlich die Kamera das Denken übernehmen, verlasse mich auf die langjährige Routine und genieße den Auftritt von Unheilig mit vollen Zügen (u.a. "Lampenfieber", "Astronaut", "Sage ja", "Freiheit", "Mein Stern").




Die Umbaupause bis zum Headliner SCHANDMAUL zieht sich recht lange - wenn wundert's, wird doch die gesamte Bühnenrückwand mit einer Scheinwerferbatterie zugepflastert. Optisch ein Hochgenuss, fotografisch ein Desaster, da kaum Licht von Vorne kommt und die voll aufgedrehten Kannen meinen Belichtungsmesser in Schutt und Asche legen.

Während die Schandmäuler wie gewohnt mit vollem Einsatz das Abenberger Publikum bespaßen, klettere ich auf den FOH, um noch ein Bilder aus der Totalen zu machen. Das Steuergerät für die erwähnte Scheinwerferbatterie sorgt mit seinen riesigen Ausmaßen für eine gewisse Enge in der Höhe aber irgendwie kann ich mich daran vorbei winden, um noch ein paar letzte Fotos zu schießen. Ein Blick auf die Setlist zeigt mir, dass "Dein Anblick", mein momentan absoluter No-Go Song von Schandmaul, als letzte Zugabe gespielt werden wird. Also mehr als genug Zeit um die Münchner Ausnahmeband mit allen Sinnen zu erleben.

Setlist Schandmaul:
Vor der Schlacht
Kein Weg zu weit
Wolfsmensch
Der Hofnarr
Missgeschick
Leb!
Lichtblick
Die letzte Tröte
Mitgift
Anderswelt
Feuertanz
Die goldene Kette
Krieger
Teufelsweib
Der letzte Tanz
Vogelfrei
Herren der Winde
Walpurgisnacht

Zugabe:
Frei
Dein Anblick




Fazit: Das erneut frühzeitig ausverkaufte Feuertanz Festival wird seinem Ruf wieder mehr als gerecht. Irgendwie ist es nach all diesen Jahren schon eher wie ein "Heimkommen" als ein "Besuchen" und ich bin gespannt was die Macher nächstes Jahr wieder aus dem Hut ziehen werden, um die stimmige Kulisse der Burg einen Tag lang mit tobendem Leben zu füllen. (stefan)





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