Castle Rock 07.07. in Mühlheim

Nachtrag vom 10.11.01:
Nach dem diesjährigen, restlos ausverkauften Mülheimer CASTLE ROCK Open-Air sollten sich alle Interessierten schon mal den 20.07.2002 vormerken. Ab 13.00 Uhr wird im Schloß Broich das Castle Rock III starten. Bisher sind folgende Bands bestätigt: The Dreamside + Blind Passengers, VVK-Beginn ist der 01.02.2002.



Allgemeines:
Dieses kleine aber feine Festival im Mülheimer Schloßhof fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Erneut stimmte die Mischung aus bekannten Bands und Newcomern. Veranstalter Michael Bohnes hatte wieder ein interessantes Programm zusammenstellt. Und das, trotz der im Vorfeld erteilten Absagen von Letzte Instanz und Near Dark. Das Festival lebt von der friedlichen Atmosphäre des Publikums und der besonderen Umgebung. Eintrittspreise, sowie Getränke und Essens Preise lassen auch das kleinste Portemonei in Tränen der Freude ausbrechen. Das man mit Biermarken arbeitet, verbreitet ein Charme der Provinz (Nicht negativ gemeint). Hier ist alles kleiner und gemütlicher. Trotzdem konnte man, wohl auch aufgrund des Headliners Subway to Sally erstmals das "Ausverkauft"-Schild am Eingang befestigen. So befanden sich 1600 bunt zusammengewürfelte Besucher im Innenhof.

Das Festival:
Den schwierigen Part des Openers übernahmen die Düster Rocker von EISHEILIG. Die noch recht spärlich besuchte erste Reihe bekam dunklen Metal geboten. Während der Schlagzeuger deutlich erkennbar aus dem Metal Bereich kam, übernahm der Sänger mit seiner tiefen, melancholischen Stimme den Part des theatralischen Dunkelmannes. Leider verhinderten technische Probleme zu Beginn die Hörbarkeit des Gesanges. Dafür waren die straighten Riffs und die verspielte Bassline umso hörbarer. Das ganze relativierte sich im Verlaufe des Auftritts. Vor allem das aktuelle "Vater unser" blieb in Erinnerung. Als nächstes betraten WOODLAWN die Bühne. Sie wurden kurzfristig aufgrund des Ausfalls von Near Dark ins Programm genommen. Die anfängliche Nervosität legte sich sehr schnell. Die Anfangs zu erkennende fehlende Vorbereitung, wurde vor allem durch die Stimme der Sängerin zum Ereignis. Eine bestimmende Violine und der markant, liebliche Gesang sorgten für ein düsteres Folk Feeling. Vor allem der Schlußsong in dem Sängerin und Band noch mal alles gaben, wird in positiver Erinnerung bleiben. Den Namen sollte man sich schon mal merken. Bereits sehr früh im Programm betraten die Berliner von SCREAM SILENCE die Bühne. Geprägt von der dunklen, melodischen Stimme eines Hardy Fieting wurde uns die dunkle Seite der Liebe näher gebracht. Traurige Texte mit Gänsehautatmosphäre ließ eine etwas bedrückende Stimmung entstehen. Songs wie "promise" oder "deliverance" vertreiben selbst bei Sonnenschein die positiven Gedanken. Natürlich durfte auch das Wolfsheim Cover "the Sparrows and the nightingale" nicht fehlen. Im Gegensatz zu sonstigen Open Air Gepflogenheiten spielten Screm Silence nicht nur ihr neues Album, sondern boten eine gesunde Mischung aus Songs der "..to die for.." und "the 2nd". Auch schön das der Schlagzeuger Heiko Wolf wieder dabei war und seinen vor kurzen gebrochenen Arm nicht schonte. Danach war es mit eingängigen Songs erst mal vorbei. JANUS enterten mit theatralischen Intro die Bühne. In wahrer Extrovertiertheit intonierte Sänger Rick seine Lieder. Wie er in "Isaak" seinen Händen einen feinen Tremor verpaßte, muß man gesehen haben. Die Mimik war ebenso Ausdrucksstark wie seine Stimme. Direkte Riffs, eine markante Bassline und immer wieder eingefügte Breaks bestimmten das Bild. Man wechselte zwischen sehr eingängigen und sehr experimentellen Passagen. Die recht schwierigen Soundstrukturen der CD's wurden in ein perfektes Live Gewand gepreßt. Nicht nur vor der Bühne verfiel man in tranceartigen Tanz, auch auf der Selbigen wurde den wilden Bewegungen gehuldigt. Eine perfekte Performance, zu der auch das Licht paßte, auch wenn man es an diesen sonnigen Tag nicht so recht wahr nahm. Danach wurde es etwas ruhiger. MILA MAR waren an der Reihe und beruhigten das Publikum mit sphärischen Klängen. Die Musik lebt eindeutig vom Gesang der Sängerin. Ebenso wie Lisa Gerrard von Dead can Dance versprüht sie mit einer Mischung aus Phantasie Gesang und ersetzen eines Instruments mit ihrer Stimme einen Hauch von Mystik. Diese Band hatte einen schweren Stand, weil ihre Musik eher zum fallen lassen dient als Open Air Feeling zu verbreiten. Das blieb auch der Sängerin nicht verborgen, die sich am Ende doch sehr quälte um ihren Dank los zu werden. Gemütlich aus der Ecke mit einem Bier in der Hand war es ein genialer Auftritt. Man näherte sich nun dem Höhepunkt. Als die ersten Rufe nach Subway durch die Umbaupause glitten, betraten DIARY OF DREAMS das Geschehen. Allein durch ihr Auftreten verbreiteten sie eine morbide Atmosphäre. Der Sänger wurde diesmal am Mikrofon allein gelassen und intonierte die Songs als Solo Künstler. Erneut perfekt eingekleidet und geschminkt (Im Gegensatz zum Zillo lief das Blut nun aus dem linken Auge) gaben sie eine perfekte Mischung aus düsterer Elektronik und treibenden Gothic zum Besten. Musikalisch perfekt boten sie ihre Songs der auf Subway wartenden Masse an. Diese Band hatte es noch schwerer als der Opener. Nur beim bekannten "Mankind" überwog die Faszination der Musik. Die Band schaffte es sich durchzubeißen, auch wenn man den Auftritt als dezent zurückhaltend bezeichnen kann. Dann war es endlich soweit. Der von seiner langen Mähne entbundene Fish betrat die Bühne. Subway to sally gaben zu später Stunde eine Art Best off Programm. Von Beginn an kommunizierte man heftig mit dem Publikum. Hier ließ man es nicht an Ironie fehlen. Die Einleitungen zu den Songs waren geschickt gesetzte Metaphern. Songs der neuen CD "Herzblut" wurden ebenso gefeiert wie "Das Opfer" oder "böses erwachen" . Sänger Fish entwickelte mit seinem wilden Gehopse eine gewisse Eigendynamik, welche sich umgehend auf das vor ihm versammelte Volk ausdehnte. Frau Schmitt überzeugte erneut mit ihrem wilden Geigenspiel. Höhepunkt natürlich das schon während der Pausen vom Publikum intonierte "Julia und die Räuber". Hier sang dann auch fast jeder mit. Aber auch bei den älteren Songs wie "Henkersbraut" wurde Fish tatkräftig unterstützt. Ein schöner Abschluß eines verdammt guten Festivals.

Fazit:
Es müssen nicht immer die Großen sein, die ein Festival zum Erlebnis machen. Atmosphäre und ein ausgewogenes Programm gehören ebenso dazu wie erschwingliche Preise. Hier in Mülheim bekommt man das, was euch andere suggerieren möchten. Nämlich ein von Fans für Fans gemachtes Festival. Der dritte Akt dieses Festivals kann nicht besser werden, aber schneller ausverkauft. Die Mundpropaganda wird die Spreu vom Weizen trennen. Wir sehen uns im nächsten Jahr.



Info:
Das Castle Rock fand im letzten Jahr zum ersten mal statt. Im Gegensatz zu den großen Open Airs wirkt dieses kleine, aber feine Event wie ein Hort der Gemütlichkeit. Was auch an der Auswahl des Geländes liegt, der Innenhof einer alten Burg mitten in Mühlheim. Das alte Gemäuer verschafft den ganzen eine ganz besondere Atmosphäre. Dazu kommen leichte Erreichbarkeit (10 Minuten vom Bahnhof), angenehme Preise und erneut ein tolles Programm. Bedingt durch die Absage der Letzten Instanz wurden Scream Silence und Janus zu einem Gastspiel nach Mülheim an der Ruhr eingeladen. Ebenso abgesagt haben Near Dark, die durch Woodlawn ersetzt werden.

Bands:
Subway to Sally: Über die Live Darbietung der Mittelalter-Rocker braucht man wohl nichts mehr zu sagen. Die Band ist seit Jahren fast ununterbrochen auf Tour und begeistert mit energetischen Auftritten das Publikum.

Janus: Im Prinzip ist es eine Variante von Neuer Deutscher Härte, aber Janus sind irgenwie nicht wie all die anderen, sondern faszinieren durch ihre düsteren Texte und abwechslungsreich arrangierten Songs

Scream Silence: Die düstere Mucke ihrer Debüt-CD "to die vor" schlug nicht nur bei uns ein wie eine Granate.

Diary of Dreams: Die Band spielt einen mit Pathos belagerten Gothic Rock, der das Castle in einen Ort der Düsternis verwandeln wird.

Woodlwan: Mystical Crossover aus Ravensburg

Mila Mar: Sehr getragene Musik mit einer ausdrucksstarken Sängerin. Alte Klänge werden mit modernen Arrangement dargeboten.

Eisheilig: Deutsche Texte mit melodischer Härte gibt es von der Wittener Band.

Wie und Was:

Beginn : 13.30
Karten sind ab sofort an allen NRW-Ticket VVK-Stellen erhältlich. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 29,- DM und an der Tageskasse 35 ,- DM.
Weitere Informationen sind unter www.castle-rock.de abrufbar oder per Mail bei michael.bohnes@stadt-mh.de